Was Journalisten 2026 wirklich von PR-Pitches erwarten: Die Cision-Studie im Detail

Grafik zum Cision State of the Media Report 2026: 72 % der Journalisten sagen, dass die meisten PR-Pitches nicht zu ihrem Ressort passen – Relevanz statt Gießkannenprinzip

Cision hat den State of the Media Report 2026 veröffentlicht. Für die Studie wurden zwischen Januar und Februar 2026 knapp 1.900 Journalistinnen und Journalisten aus 19 Märkten in Nordamerika, EMEA und der APAC-Region befragt. Eine eigene Länderausgabe für Deutschland oder die DACH-Region liegt für den 2026er-Jahrgang bislang nicht vor – in den Vorjahren erschien diese jeweils erst im Herbst, mit eigener Befragung von rund 300 bis 325 deutschen Journalisten. Die im Folgenden zitierten Zahlen stammen daher aus der globalen Erhebung.

Für die Medienarbeit im B2B liefert der Report trotzdem eine klare Botschaft: PR ist für Journalisten wichtiger geworden, gleichzeitig ist die Toleranz für unpassende Ansprache gesunken. Wer beides nicht zusammenbringt, verliert Reichweite.

PR ist die wichtigste Quelle für Story-Ideen – aber die Redaktionen stehen unter Druck

66 Prozent der befragten Journalisten geben an, dass sie für Story-Ideen auf PR-Material zurückgreifen: Pressemitteilungen, Pitches, Media-Kits. Damit liegt PR als Quelle für neue Geschichten vor Social Media, Konkurrenzmedien und Branchenveranstaltungen.

Gleichzeitig arbeiten Redaktionen unter wachsendem Druck. Die größten Herausforderungen laut Report:

  • Genauigkeit, Faktencheck und der Kampf gegen Desinformation (50 Prozent)
  • Sinkende Budgets, Personalabbau und wachsende Arbeitslast (49 Prozent, ein Anstieg von 29 Prozent im Vorjahresreport)
  • Der Umgang mit den Auswirkungen von KI im Journalismus (43 Prozent, ein Anstieg von 30 Prozent im Vorjahr)

Cisions Marketingchefin Amy Jones ordnet das so ein: „Der Report 2026 macht eines deutlich: Redaktionen und PR-Profis sind enger voneinander abhängig als je zuvor. Während Journalisten unter beispiellosem Zeit- und Ressourcendruck stehen, wird PR zu einem unverzichtbaren Partner, der Daten, Ideen und Expertenzugang liefert und so den Nachrichtenbetrieb stützt.“

Für Unternehmen und Agenturen bedeutet das: Wer Redaktionen mit belastbaren Informationen statt mit reiner Werbebotschaft versorgt, füllt eine Lücke, die Journalisten selbst benennen.

Das Relevanz-Problem: 72 Prozent der Pitches landen daneben

Der größte Frustrationspunkt aus Sicht der Journalisten ist nicht die Menge an Pitches, sondern deren Treffsicherheit. Die meisten Befragten erhalten 50 oder mehr Pitches pro Woche, doch 72 Prozent sagen, dass weniger als ein Viertel davon zu ihrem Themengebiet passt.

Die Konsequenz ist direkt: 82 Prozent der Journalisten nennen eine fehlende Passung zu ihrem Publikum oder Ressort als Hauptgrund, einen Pitch abzulehnen. Zu werblich formulierte Ansprachen und Pitches ohne erkennbaren Nachrichtenwert fallen ebenfalls regelmäßig durch. Genau diese Erfahrung ist auch der häufigste Grund, warum Journalisten PR-Kontakte dauerhaft blockieren oder auf eine interne Sperrliste setzen.

Amy Jones warnt deshalb ausdrücklich vor der Streuschuss-Taktik: „In der Praxis kann dieser Ansatz nach hinten losgehen. Er untergräbt Glaubwürdigkeit und verbrennt Beziehungen.“ Ihre Empfehlung: Zeit und Energie in eine kuratierte Liste von Journalisten investieren, deren Ressort, Publikum und bisherige Arbeit tatsächlich zur eigenen Geschichte passen. „Gerade weil Journalisten mit Pitches überflutet werden, ist eine durchdachte, menschliche Ansprache der entscheidende Wettbewerbsvorteil für PR-Teams.“

Was Journalisten von einer guten PR-Beziehung erwarten

Der einfachste Einstieg bleibt die E-Mail: Eine kurze, klare Vorstellung mit erkennbarem Anlass für die Kontaktaufnahme ist laut Report der bevorzugte erste Kontaktweg. Für die laufende Kommunikation danach bleibt die E-Mail ebenfalls klar erste Wahl – 97 Prozent der Journalisten bevorzugen sie gegenüber Telefon, SMS oder Messenger-Diensten.

Ist der Kontakt einmal hergestellt, erwarten Journalisten vor allem:

  • belastbare Daten und Originalrecherche
  • exklusiven oder vorab unter Embargo gestellten Content
  • Zugang zu verifizierten Fachexperten (42 Prozent der Befragten suchen aktiv danach)
  • Einladungen zu Veranstaltungen und nutzbares Multimedia-Material

KI-Pitches: Die Skepsis sinkt, verschwindet aber nicht

Ein Bereich, in dem sich das Stimmungsbild spürbar verändert: der Umgang mit KI-generierten Pitches und Pressemitteilungen. 53 Prozent der Journalisten lehnen KI-generierte Pitches ganz oder teilweise ab – ein Rückgang gegenüber 56 Prozent im Vorjahresreport, aber weiterhin eine klare Mehrheit.

Der Report formuliert es zurückhaltend: „Das ist kein überwältigendes Nein, aber ein Hinweis darauf, dass PR-Profis beim Einsatz von KI in Inhalten an Journalisten vorsichtig vorgehen müssen – Genauigkeit, Personalisierung und ein menschlicher Ton sind entscheidend.“ Die klare Empfehlung an PR-Teams: auf das setzen, was KI nicht ersetzen kann – exklusiven Zugang, differenzierte Einordnung und authentisches Storytelling.

LinkedIn hat X als wichtigsten Kanal für Journalisten abgelöst

62 Prozent der befragten Journalisten nutzen LinkedIn beruflich, 33 Prozent stufen es als die für ihre Arbeit wertvollste Plattform überhaupt ein. Nur noch 37 Prozent nutzen X regelmäßig für ihre journalistische Arbeit. Neben der Promotion eigener Beiträge (54 Prozent) dient Social Media Journalisten vor allem zum Crowdsourcing von Informationen, zum Austausch mit dem Publikum und zum Verfolgen aktueller Themen.

Für die B2B-Kommunikation heißt das: LinkedIn ist nicht nur Zielgruppenkanal, sondern zunehmend auch der Ort, an dem Journalisten selbst nach Themen und Ansprechpartnern suchen.

Was das für die Medienarbeit bedeutet

Drei Punkte aus dem Report lassen sich direkt in die tägliche Pressearbeit übersetzen:

Erstens: Relevanz schlägt Reichweite. Eine kurze, sauber recherchierte Liste passender Ansprechpartner bringt mehr als ein breiter Verteiler.

Zweitens: Substanz zählt. Daten, Studien, Originalrecherche und Expertenzugang wiegen bei Journalisten schwerer als reine Ankündigungen.

Drittens: KI darf unterstützen, aber nicht die menschliche Handschrift ersetzen. Wer KI in der Texterstellung einsetzt, sollte redaktionelle Prüfung und persönliche Note nicht aus der Hand geben – nicht nur wegen der ab 2. August 2026 geltenden Kennzeichnungspflichten aus dem AI Act, sondern weil Journalisten selbst genau das erwarten.

Zur Methodik

Der Cision State of the Media Report 2026 basiert auf einer Online-Befragung von 1.899 Journalistinnen und Journalisten, durchgeführt im Januar und Februar 2026 in 19 Märkten in Nordamerika, EMEA und APAC. Befragt wurden Medienschaffende aus digitalen Publikationen, Zeitungen, Magazinen, Rundfunk und neueren Medienformaten. Der vollständige Report steht bei Cision zum kostenlosen Download bereit.

Stand: 17. September 2026.

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